„Eine Watsche war früher fast normal“ 21.05.2010

Topaktuell ist die Diskussion um negative Einflussnahme von Betreuern und Erziehern – dazu hielt Diplom-Psychologe Jochen Haigis am Tag der offenen Tür des Internats der Christian-von-Bomhard-Schule in Uffenheim einen Vortrag (Thema: „Internatserziehung – zur aktuellen Diskussion um Gewalt und Missbrauch“). Erst im Jahre 1983 wurde die körperliche Züchtigung an Schulen verboten, zuvor war dies erlaubt und wurde auch bis zu diesem Zeitpunkt – und leider auch darüber hinaus – praktiziert. Seit 2000 gilt das Recht auf gewaltfreie Erziehung Zuhause. Jochen Haigis machte klar, dass „eine Watsche früher fast normal war.“ Sowohl an der Schule als auch im Internat gab und gibt es aber keine derartigen Vorkommnisse. Im Mittelpunkt des Vortrags stand zudem das Thema „Missbrauch“.

An der C.-v.-B.-Schule sind schon die Strukturen ganz anders als bei den betroffenen Schulen, wie z. B. der Odenwaldschule. Es werden in Uffenheim in Schule und Internat keine extrem engen, jahrelangen Beziehungen aufgebaut; es gibt keine „Familiengruppen“, keine Abschottung mit festen Gruppenbetreuern bzw. Mentoren. Ein Wechsel der Bezugspersonen findet immer wieder statt, so dass die Gefahr des Missbrauch wesentlich geringer ist. Zur Sprache kamen dabei auch die immensen psychischen Schäden, die somit angerichtet werden. Der Prävention - wie sie an der Bomhard-Schule beispielsweise durch Selbstverteidigungskurse u. v. m. betrieben wird – wird ein hoher Stellenwert zugeschrieben. Häufig schweigen die Opfer aus Angst; sie geben sich meist selbst die Schuld an dieser Situation. Zudem wären Erklärungen nötig, man würde die belastenden Ereignisse noch einmal durchleben und so gehen viele „in die innere Emigration“. Wichtig ist, für dieses Thema sensibilisiert zu sein und bei Problemen und Auffälligkeiten hinzusehen!

 


Text:

Dieser Artikel erscheint im Bereich: Allgemein