Wirtschaftliche Zusammenhänge von Experten 26.03.2010

Der Vortrag dauerte 60 Minuten und war schülerfreundlich gestaltet, sodass die Ereignisse an Hand von Beispielen aus dem täglichen Leben erläutert wurden. Es wurden die Ursachen der Wirtschaftskrise beginnend mit den faulen Immobilienkrediten in den USA bis hin zur Verflechtung des internationalen Finanz- und Bankensystems erläutert.

Der Ursprung der Krise lag in Amerika; dort wurden zu leichtfertig Kredite an Hausbauer schlechter Bonität vergeben. Konnten die Kreditnehmer ihre Kredit nicht mehr bedienen, gaben sie ihre Häuser an die Bank zurück. Solange die Häuser im Wert steigen, ist ein solcher Kreditausfall für eine Bank kein Problem, sie kann sogar einen Profit davontragen. Irgendwann haben aber genügend Menschen ein Haus, gleichzeitig ziehen viele „schlechte Kreditnehmer" aus ihrem Haus aus. Somit ergibt sich im Laufe der Zeit ein Überangebot an Häusern, sodass die Hauspreise fallen. Dies bedeutet einen Verlust für diejenigen Investoren, die zum Zeitpunkt des Preisverfalles im Besitz dieser Häuser waren. Dabei häuften vor allem große Banken so immense Verluste an, dass ihre Finanzstärke ins Wanken geriet. Als dann mit Lehman Brothers eine der vier größten U.S.-Amerikanischen Investmentbanken Konkurs anmeldete, brach eine Panik an den Aktienmärkten aus, da das Einsetzen eines Dominoeffektes innerhalb des Bankensektors befürchtet wurde. Banken sind über gegenseitige Kredite am Interbankenmarkt so eng vernetzt, sodass die Pleite einer großen Bank durch diese enge Vernetzung enorme „Nachbeben" mit sich bringt.

Unternehmen sind darauf angewiesen, dass ihre Produkte gekauft werden. Amerika nahm eine Vorreiterrolle im Konsum ein und hat erhebliche Mengen an Waren aus Europa und Asien importiert. Da viele Amerikaner durch die fallenden Häuser- und Aktienpreise ihren Konsum nun reduzierten und erstmals seit Jahren für die USA eine positive Sparquote zu verzeichnen war, wurden den Unternehmen im Rest der Welt, sowie in Amerika, weniger Produkte abgenommen. Gleichzeitig kauften auch Unternehmen untereinander weniger ein, da Kreditlinien gekürzt wurden, Kredite nicht vergeben wurden und schlicht das Vertrauen in die Zukunft fehlte. Damit droht eine Abwärtsspirale. Weniger Umsatz zwingt Unternehmen dazu, Kosten zu reduzieren und Leute zu entlassen, oder - falls dies nicht umfassend möglich ist - in Konkurs zu gehen. Dadurch haben viele Menschen wieder weniger Einkommen und der Konsum geht weiter zurück – ein Teufelskreis beginnt.

Der Staat muss die Finanzmärkte sowie die klassischen Warenmärkte wieder stabilisieren, da sonst gegenseitige Ansteckungsgefahr besteht. Also haben Regierungen weltweit hunderte Milliarden Euro in Banken entweder direkt investiert oder als Überbrückungskredit vergeben, damit das Bankensystem stabilisiert wird. Gleichzeitig wurden umfassende Konjunkturprogramme auch in Höhe von hunderten Milliarden Euro angestoßen, mit denen der Staat die fehlende Nachfrage der Privathaushalte und Unternehmen ausgleichen möchte. Die Gesamtausgaben belaufen sich weltweit auf mehrere Billionen Euro. Ziel ist es den Patienten „Wirtschaft" so lange am Leben zu erhalten, bis er gestärkt durch ein stabiles Finanzsystem im Rücken wieder auf eigenen Beinen stehen kann. Ein Ausblick in die nahe Zukunft gestaltet sich als schwierig, da nicht klar ist, in welcher Verfassung die Banken wirklich sind. Gleichzeitig ist es schwierig zu sagen, wann der „Schalter" in den Köpfen der Menschen wieder umspringt und die Privatleute sowie die Unternehmen wieder beginnen, vermehrt auf Einkaufstour zu gehen.

Innerhalb seines kurzweilige Vortrages gelang es Michael May hervorragend, anhand seiner verständlichen Ausführungen und des Power-Point-Einsatzes die Jugendlichen zu fesseln. Zwar hatte jeder schon zuvor die Begriffe „Wirtschaftskrise“/“Finanzkrise“ gehört, doch die Zusammenhänge wurden plastisch und plausibel auf Schülerniveau herübergebracht, so dass das komplexe und abstrakte Thema Wirtschaft verständlich wurde.


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